Donnerstag, 29. März 2012

SAKRARIUM

oder

Das heilige Tempo

In einem älteren Post habe ich ja schon beschrieben, wie ein Mesner so manch Komisches erlebt. Heute Etwas aus der Schublade "Kurioses":

In einem Schrank auf dem Dachboden der Sakristei fand ich eine Blechdose mit Asche.  Ich vermutete, daß es sich wahrscheinlich um einen Rest von Aschermittwoch handelt. So machte ich mich auf die Suche nach dem Sakrarium und fand es - natürlich hinter dem Hochaltar.

Für alle Nicht-Insider:
Ein SAKRARIUM ist eine Versenkung oder ein Loch, meistens hinter dem Hochaltar im Boden oder am Friedhof. Es dient zur "Entsorgung" von Weihwasser (z. B. verbraucht bei der Taufe), Reste der Asche von Aschermittwoch, verbrannter Weihrauch und Purifikationswasser. Ebenfalls wird die Asche der geweihten Gegenstände, die unbrauchbar geworden sind, dort hineingeschüttet. Außerdem kann es doch einmal vorkommen, dass Brösel des Leibes oder Tropfen des Blutes Christi zurückbleiben. Auch dafür ist das Sakrarium da. Also für alles Geweihte, das nicht ehrfurchtslos einfach in die Mülltonne landen darf.

Also; gesucht - gefunden hob ich die Bodenplatte hoch und: "...Jessas, Maria un´Joseph, do is ja Tempo drin!" Ich holte das zerknüllte Tempo-Taschentuch mit Fingerspitzen heraus und hab mich gefragt, wie es da rein gekommen ist, und welcher "Hamme´" (bayr. f. männliches Schaf) es dort entsorgte. "Egal"... entschuldigte ich die Tat und schüttete die Asche aus der Blechdose ins Loch.
In der Sakristei wollte ich das Taschentuch schon in den Müll schmeißen. Aber als ich mit dem Fuß den Deckel des Mülleimers betätigte hielt ich inne und überlegte. "Wenn jetzt das Tempo da geweiht ist, oder vielleicht zum Abwischen von Weihwasser diente, oder so ähnlich... wer weiß?"
In dem Moment kam der Pfarrer in die Sakristei, um wieder einmal seine Brille zu suchen. Ich hielt ihm das Taschentuch hin und berichtete von meinem Fund. Er meinte mit hochgezogenen Augenbrauen: "Sie können´s ja einrahmen und aufhängen, wenn S´ meinen, dass´s g´weiht is!"
Man möchte mich zwar kleinkariert nennen, aber für mein gutes Gewissen verbrannte ich Es draußen auf einem kleinen Blechdeckel.
Und was war die Antwort GOTTES darauf?: Eine kleines Lüftchen, ein bisschen Wehen und eine Brise - und "hui" hat der Heilige Geist das Tempo profaniert und über den Friedhof geweht.


Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Nett, danke. Über das Sakrarium wollte ich auch schon einmal schreiben - bei uns ist es kein Loch hinterm Altar, sondern ein Becken, das in einem pultartigen Möbel verborgen ist.

Willkommen bei den katholischen Bloggern und fröhliches Weiterbloggen.

Pius Hofer hat gesagt…

Interessant: ... also gibt es noch mehr Formen des Sakrariums. Hab auch schon eine Vertiefung in der Mauer gesehen.

Vielen Dank für Deinen Willkommensgruß "bei den katholischen Bloggern" und Vergelt´s Gott für Deinen interessanten Blog!

Dir auch weiterhin viel Freude am Bloggen!

Admiral hat gesagt…

Auch von mir ein herzliches Willkommen und einen Dank an die Braut des Lammes für's Aufmerksam machen. :-)

Phil hat gesagt…

Herzliches Willkommen auch von meiner Seite! Und gleich mal eine Frage... In der Instruktion Redemptionis Sakramentum, Absatz 107 steht "Wenn daher jemand gegen die genannten Normen handelt, indem er zum Beispiel die heiligen Gestalten in das Sacrarium oder an einen unwürdigen Ort oder auf den Boden wirft, zieht er sich die festgesetzten Strafen zu." (siehe http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20040423_redemptionis-sacramentum_ge.html) Das hatte mich damals beim Lesen ziemlich entsetzt, hatte mir doch ein befreundeter Pfarrer einige Zeit vorher das Sacrarium in unserer Kirche gezeigt (und letztlich wie Du die Funktion geschildert). Übersehe ich hier was, wodurch sich mir ein Widerspruch auftut? Geht es in Redemptionis Sacramentum um intakte Geweihte Hostien, will heißen daß nur bspw verdorbene Hostien bzw. verdorbener Wein weggeschüttet werden darf?

Im Absatz 120 des genannten Dokumentes wird immerhin folgendes gesagt: "Die Hirten sollen dafür Sorge tragen, daß die Altartücher, besonders jene, auf die die heiligen Gestalten gelegt werden, immer sauber bleiben und gemäß überliefertem Brauch häufig gewaschen werden. Es ist zu begrüßen, daß das Wasser der ersten Reinigung, die mit der Hand vorzunehmen ist, in das Sacrarium der Kirche oder an einen geziemenden Ort auf die Erde gegossen wird. Danach kann auf gewohnte Weise eine weitere Säuberung vorgenommen werden."

Johannes hat gesagt…

Auch von mir ein herzliches Willkommen in der Blogzese!!!
Auf ein fröhliches, katholisches Bloggen...

Pius Hofer hat gesagt…

Du gehst richtig in der Annahme, daß das S. für nicht mehr brauch-/verzehbahre konsekrierte Hostien (od. -reste) oder z. B. verschüttetes Blut Christi gedacht ist. Worst case wäre eben, wenn der konsekrierte Wein auf dem Altartuch landen würde. In diesem Fall wird das Altartuch verbrannt - Asche ins S.!

Also, Redemptionis Sacramentum ist vom Gebrauch des S. nicht angetastet.

Beste Bloggergrüße

Pius Hofer hat gesagt…

Danke und "Vergelt´s Gott!" für alle Willkommenskommentare!!!
Schaut´s hoit moi wieder vorbei - daat mi g´frein!

Admiral hat gesagt…

Der alte Lurz ("Riten und Rubriken der hl. Messe") sieht folgende Vorgehensweise vor: mehr brauch-/verzehbahre konsekrierte Hostien (od. -reste) werden in Wasser (z. B: im Ablutionsgefäß) aufgelöst, dieses Wasser kann dann ins Sakrarium gegeben werden.
Tücher, mit denen konsekrierter Wein aufgenommen wurde brauchen nicht verbrannt zu werden. Es wird an würdiger Stelle getrocknet (natürlich NICHT auf die Leine hängen), und dann eine erste Reinigung wie von Phil beschrieben durchgeführt (hier bin ich mir allerdins nicht ganz sicher und bitte um Korrektur wenn notwendig). Der Beste Umgang mit verschüttetem hl. Blut ist die Aufnahme mit Watte, die dann nacher verbrannt werden kann (wieder nachdem sie in einem Gefäß getrocknet ist).

"Technischer" Hintergrund: wenn sich die Gestalt des Brotes bzw. Weines verliert, geht auch das Wesen als Leib und Blut Christi verloren.

Ich bitte schon mal um Entschuldigung, wenn ich ein wenig holprig formuliert habe. Ich hab's eben aus dem Gedächtnis runtergeschrieben. Kann auch sein, das ich noch ein paar zusätzliche Quellen neben dem Lurz unbewußt mit eingebaut habe.

Ich bin immerhin Ingenieur und kein Theologe und bitte (wie oben schon erwähnt) um Korrektur, wenn ich an irgendeiner Stelle etwas falsch im Gedächtnis hatte. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Meines Wissens ist das so richtig, Admiral (mit der Kelchwäsche und dem Ablutionswasser).

Auftragsgemäß richte ich an dieser Stelle auch schöne Grüße von der Freiburgbärin http://blog.freiburgbaerin.eu/ aus, die Pius gern bald in ihre Blogroll aufnehmen wird (leider konnte sie das nicht selbst hier kommentieren, da anonyme Kommentare nicht zugelassen sind).

Freiburgbärin hat gesagt…

Nun endlich auch von mir einen Willkommensgruß und dank an Braut des Lammes für Ihren "Botendienst".

Herzlich willkommen in der Blogoezese und gesegnete Ostern.